Archiv für Februar 2014

Zwischendurch

Ein schöner Gastbeitrag, der bei ZEIT ONLINE am 10. Februar veröffentlicht wurde:

Homophob? Muss nicht sein

Aus dem Inhalt zusammengefasst:

- Sexuelle Orientierung ist kein Ergebnis einer Entscheidung, sondern Teil der Identität eines Menschen, auf die er keinen Einfluss hat.

- Diejenigen, die sich belästigt fühlen, weil Homosexualität und das „offen zur Schau tragen“ von LSBTIQ-Lebensweisen angeblich einer Trenderscheinung unterliegt und vielmehr ausschließlich in den Privatbereich gehört, verkennen, dass unter den gleichen Maßstäben Heterosexualität noch sehr viel mehr „zur Schau gestellt“ wird. Das fällt nur nicht auf, weil es als „normal“ angesehen wird.

- Drei Faktoren sind für das Entstehen von Homophobie maßgeblich: rigide Geschlechternormen, eine fundamentalistische Religiosität und Unkenntnis.

Wer jetzt neugierig geworden ist, dem empfehlen wir das Nachlesen des ganzen Artikels. Hier nochmal der Link.

Warum posten wir das? Es gehört zum Grundverständnis unserer Vereinsarbeit, dass wir Geschlechterrollen hinterfragen. Der Mensch steht im Zentrum, unabhängig von seiner Geschlechtszugehörigkeit oder seiner sexuellen Orientierung. Unkenntnis wirken wir entgegen, indem wir beispielsweise aktive Aufklärungsarbeit an Schulen leisten („SchLAu“), eine Beratung installiert haben („die bunte Nummer“), einmal im Jahr unseren Christopher Street Day in Wiesbaden organisieren, uvm.
Damit wollen wir zu einem offenen und wertschätzenden Klima in der Gesellschaft beitragen, in der niemand Angst vor Diskriminierung haben muss.

Ball des Sports in WI: Danke!

Am letzten Samstag setzten wir von Warmes Wiesbaden und etwa 25 weitere Teilnehmer_innen ein gemeinsames Zeichen gegen die in Russland begangenen und staatlich organisierten Repressionen und Diskriminierungen von Lesben, Schwulen, Bi- und Transsexuellen. Wir zeigten unsere Solidarität mit den in Russland lebenden Menschen sowie mit den Sportlerinnen und Sportlern, die an den Olympischen Spielen in Sotschi teilnehmen. Der Hessische Rundfunk (ab 05:50), der Wiesbadener Kurier, die Frankfurter Allgemeine Zeitung und die Frankfurter Rundschau haben berichtet.

Wir danken allen Teilnehmer_innen, unserem Oberbürgermeister Sven Gerich und dem Vorsitzenden der Deutschen Sporthilfe Dr. Michael Ilgner für ihre Unterstützung. Diese Zeichen, die wir setzen, sind wichtig und richtig.

Schwulsein, Lesbischsein, Bi- oder Transsexuellsein, das ist eben keine Frage des Wollens, des Wünschens, sondern eine Frage der Identität, des Menschseins. Die Olympische Charta muss ernst genommen werden und diskriminierungsfreie Spiele müssen eine Selbstverständlichkeit sein, damit das, was wirklich im Mittelpunkt stehen soll, nämlich der Sportler bzw. die Sportlerin und ihre sportliche Leistung sowie die Begeisterung aller Fans aus allen Nationen, auch wirklich im Mittelpunkt stehen können.

Für die Olympischen Spiele in Sotschi gilt das leider nicht. In Russland werden homo-, bi- und transsexuelle Menschen systematisch ausgegrenzt und sogar von Schlägertrupps zusammengeschlagen. Unzählige Videos finden sich hierzu auf youtube, auch Human Rights Watch hat anlässlich des Beginns der Olympischen Spiele in Sotschi hierzu ein Aufklärungsvideo veröffentlicht.

Die Situation in Russland ist bedrückend und beschämend. Es ist absolut inakzeptabel, wenn ein Präsident, der diese Situation zu verantworten hat, hofiert wird.

Gleichzeitig werden die Sportlerinnen und Sportler munter daran erinnert, dass sie keine politischen Statements abgeben dürfen und im Zweifel eben auch nicht zu dem stehen dürfen, was der ein oder andere vielleicht ist: schwul, lesbisch, bi oder trans*.
Diese Angst vor politischer Propaganda geht sogar so weit, dass das norwegische Team der Langläuferinnen vom IOC abgemahnt wird, weil es anlässlich eines Todesfalls im Trauerflor an den Start gegangen ist, um gemeinsam der Trauer Ausdruck zu verleihen. Der Grund: Das Tragen eines Trauerflors wird nach Regel 50.3 der Olympischen Charta als politische Demonstration verstanden. Das soll eine politische Demonstration sein? Das kann ja wohl nicht wahr sein!
Was sind Sportlerinnen und Sportler, mag man sich da fragen. Sind sie Leistungsmaschinen, denen jedwede Menschlichkeit untersagt wird oder sind sie eben doch das, was wir alle sind: Menschen mit menschlichen Empfindungen und Bedürfnissen.

Gewährleistet in Zukunft diskriminierungsfreie Spiele! Für die Menschen, mit den Menschen, so wie sie sind. Ohne Diskriminierung, mit Respekt und Akzeptanz füreinander, denn: Liebe ist keine Propaganda!

Ball des Sports mit Gerich

Offene Briefe an Bundeskanzlerin Merkel und das IOC

Auch wir zeichnen die offenen Briefe des CSD Deutschland e. V. an Bundeskanzlerin Merkel und das IOC mit.
Deutschland hat Verantwortung für das, was in der Welt und auch vor unserer Haustür, in unserer Gesellschaft, stattfindet.
Wir sagen JA zum Bildungsplan in Baden-Württemberg, wir sagen NEIN zu der unerträglichen Menschenrechtslage in Russland und dem Hass, der dort gegen homosexuelle, bisexuelle und transsexuelle Menschen geschürt wird. Und wir sagen NEIN zu den menschenrechtswidrigen Entwicklungen in Uganda. Wir wollen endlich(!) die vollständige Rehabilitierung der nach Paragraph 175 Verurteilten, sowie mehr Akzeptanz und rechtliche Verbesserungen für Trans- und Intersexuelle.

Für Olympische Spiele muss die Olympische Charta ernstgenommen werden, auch das 6. Prinzip: „Any form of discrimination with regard to a country or a person on grounds of race, religion, politics, gender or otherwise is incompatible with belonging to the Olympic
Movement.“ (nachzulesen auf der Seite des DOSB)

Wir dürfen uns dieser Verantwortung nicht entziehen und müssen klar machen: An Menschenrechten führt kein Weg vorbei! Und diese gelten auch für homo-, bi-, trans- und intersexuelle sowie transident lebende Menschen.

Hier gibt’s den Brief an die Bundeskanzlerin.

Hier gibt’s den Brief an das IOC.